Veganes Kollagen: was wirklich drin ist
Veganes Kollagen enthält kein Kollagen. Was stattdessen in der Dose ist, was die Packung laut EU-Recht versprechen darf und was die Studien zeigen.
Die diepeptide.de Redaktion · Redaktionelle Pruefung · Aktualisiert am 22. Oktober 2026
Nur zu Informationszwecken · ersetzt keine ärztliche Beratung.
„Veganes Kollagen“ ist ein Widerspruch in sich. Kollagen ist ein Protein aus tierischem Bindegewebe, und die üblichen Produkte mit diesem Namen enthalten kein Kollagen. Sie enthalten Bausteine und Helfer, aus denen der Körper sein eigenes Kollagen bilden soll. Das ist eine andere Idee, und sie sollte auch anders bewertet werden.
Warum es pflanzliches Kollagen nicht gibt
Kollagen ist das häufigste Strukturprotein bei Menschen und anderen Wirbeltieren. Eine Übersichtsarbeit von 2026 beschreibt seinen Aufbau: Jede Kette besteht aus einer sich wiederholenden Abfolge von drei Aminosäuren. Glycin macht etwa ein Drittel aus, die übrigen Positionen besetzen überwiegend Prolin und Hydroxyprolin.
Hydroxyprolin ist dabei das Erkennungsmerkmal. Es wird nicht als Baustein eingebaut, sondern entsteht erst nachträglich an der fertigen Kette, wenn Enzyme Prolin umwandeln. Vitamin C ist für diesen Schritt nötig, wie eine Übersichtsarbeit zur Rolle von Vitamin C in der Haut zusammenfasst. Die 28 bekannten Kollagentypen sind alle bei Tieren beschrieben. Ein Pulver aus Pflanzen kann deshalb kein natürliches Kollagen enthalten.
Was stattdessen in der Dose ist
Wie das konkret aussieht, zeigt ein Produkt, dessen Zusammensetzung öffentlich deklariert ist: das vegane „Kollagen Support Pulver“ der dm-Eigenmarke Mivolis. Laut Deklaration liefert eine Portion von 10 g:
Auffällig sind zwei Dinge. Erstens besteht die Mischung vor allem aus Glycin und Alanin. Zweitens enthält sie nur 50 mg Prolin und kein Hydroxyprolin, also gerade die Aminosäuren, die Kollagen kennzeichnen. Mit Kollagen hat die Zusammensetzung damit wenig gemein.
Andere vegane Produkte kombinieren ähnliche Aminosäuren häufig mit Pflanzenextrakten, Biotin oder weiteren Vitaminen. Das Prinzip bleibt dasselbe: Es werden Hilfsstoffe verkauft, keine Kollagenpeptide.
Ein Detail zum Preis: Die vegane Dose kostet bei dm 6,35 Euro für 200 g, genau so viel wie das reine Kollagenpulver derselben Marke. Wer kein tierisches Produkt ausschließen muss, bekommt für dasselbe Geld echtes Kollagenhydrolysat. Wie das im Drogerievergleich abschneidet, steht unter Kollagen-Pulver bei dm.
Was die Packung versprechen darf
Auf der Packung steht: „Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut, Knorpel, Knochen und Blutgefäße bei.“ Dazu: „Zink trägt zur Erhaltung normaler Haare, Nägel, Knochen und Haut bei.“
Beides sind im EU-Register zugelassene Angaben für Vitamin C und Zink. Sie gelten für jedes Produkt, das genug davon enthält, und sie sagen nichts über die Aminosäuremischung. Für Glycin, Prolin oder eine „Kollagen-Booster“-Mischung ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Die gleiche Konstruktion findet sich bei tierischen Produkten: Auch dort trägt das zugesetzte Vitamin C die Werbeaussage, wie unser Kollagen-Pulver-Test zeigt.
Biotechnologisches Kollagen: die echte Ausnahme
Es gibt einen Weg zu Kollagen ohne Tier: Mikroorganismen, Hefen oder Pflanzenzellen erhalten das Gen für eine Kollagenkette und stellen sie in Fermentern her. Das nennt man rekombinantes Kollagen. Zwei Übersichtsarbeiten von 2026 beschreiben, dass die Ausbeute oft niedrig ist und die nachträgliche Hydroxylierung, die das Molekül stabil macht, eine der größten technischen Hürden bleibt.
Die Anwendungen reichen laut diesen Arbeiten von Medizin und Kosmetik bis zu Lebensmitteln. Ein Drogeriepulver mit Aminosäuren und Vitaminen ist etwas anderes. Wer ein Produkt mit dem Hinweis „fermentiert“ oder „bio-identisch“ findet, erkennt an der Zutatenliste, worum es sich handelt.
Was die Studien zeigen
Für tierisches Kollagen gibt es Messdaten, die zeigen, dass nach der Einnahme typische Bruchstücke wie Prolyl-Hydroxyprolin im Blut ansteigen. Eine japanische Studie mit neun Personen fand nach Gelatine Spitzenwerte von 15,5 nmol/ml. Solche Peptide kann ein Produkt ohne Hydroxyprolin nicht liefern. Ob sie in der Haut etwas bewirken, ist ohnehin nicht geklärt: Stiftung Warentest sieht den Nutzen von Kollagenpulver für die Haut als nicht belegt an.
Für vegane Ersatzprodukte ist die Lage dünner. Eine Studie aus dem Jahr 2024 testete einen pflanzlichen „Kollagen-Builder“ an 66 Personen in drei Dosierungen über 60 Tage und berichtet Verbesserungen bei Falten, Haarwachstum und Gelenkschmerzen. Die beiden Erstautoren arbeiten für die Firma Collagen Lifesciences, und eine Placebogruppe gab es nicht. Belastbar ist das nicht.
Mehr zur Datenlage bei echtem Kollagen finden Sie unter Kollagen-Peptide: Wirkung und Studienlage und Kollagen Typ 2.
Was bei veganer Ernährung zählt
Für die körpereigene Kollagenbildung braucht der Körper Eiweiß als Lieferant der Aminosäuren und Vitamin C für die Hydroxylierung. Ein Aminosäurepulver mit Vitamin C kann eine vegane Ernährung ergänzen, ist aber kein Ersatz für Kollagen. Ein Vorteil gegenüber einer eiweißreichen Kost mit ausreichend Obst und Gemüse ist nicht belegt.
Quellen
- dm, Mivolis Kollagen Support Pulver vegan 200 g (Zusammensetzung pro Tagesdosis, Werbeaussagen, Preis)
- dm, Mivolis Kollagenpulver 200 g (Zutaten, Preis)
- Cheng M et al., Strategies for Optimizing the Yield and Function of Recombinant Collagen in Different Expression Systems: A Review (Int J Mol Sci 2026)
- Zhou Y et al., Recombinant collagen in the era of cellular agriculture (Trends Biotechnol 2026)
- Pullar JM et al., The Roles of Vitamin C in Skin Health (Nutrients 2017)
- Iwasaki Y et al., Comparison of gelatin and low-molecular weight gelatin hydrolysate ingestion on Hyp, Pro-Hyp and Hyp-Gly concentrations in human blood (Food Chem 2022)
- Warma S et al., Revitalizing skin, hair, nails, and muscles: Unlocking beauty and wellness with vegan collagen (J Cosmet Dermatol 2024)
- Europäische Kommission, EU-Register der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben
- Stiftung Warentest, Kollagenpulver: Schönheit lässt sich leider nicht trinken (22.11.2025)
Häufige Fragen
- Gibt es veganes Kollagen?
- Nicht im eigentlichen Sinn. Kollagen ist ein tierisches Strukturprotein. Produkte mit der Aufschrift „veganes Kollagen“ enthalten in aller Regel Aminosäuren, Vitamin C und weitere Mikronährstoffe, die die körpereigene Kollagenbildung unterstützen sollen. Biotechnologisch hergestelltes Kollagen ohne Tier wird erforscht, ist aber etwas anderes als die üblichen Drogerieprodukte.
- Was ist in veganem Kollagenpulver drin?
- Bei einem Drogerieprodukt der Eigenmarke Mivolis sind es pro 10-g-Portion vor allem Glycin (3.934 mg) und Alanin (1.900 mg), dazu kleinere Mengen weiterer Aminosäuren, 80 mg Vitamin C und 5 mg Zink. Prolin ist mit 50 mg enthalten, Hydroxyprolin gar nicht.
- Wirkt veganes Kollagen genauso wie tierisches?
- Das ist nicht belegt. Schon für tierisches Kollagenpulver sieht Stiftung Warentest den Nutzen für die Haut als nicht belegt an. Für vegane Ersatzprodukte gibt es noch weniger Daten, die vorhandenen Studien sind klein und meist von Herstellern selbst durchgeführt.
- Darf veganes Kollagen mit schöner Haut werben?
- Nur über zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe. Zugelassen ist etwa die Aussage, dass Vitamin C zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut beiträgt. Für die Aminosäuremischung selbst ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.